reflections

Als ich klein war ging es mir komischer Weise gut, zumindest glaube ich das. Ich empfand meine „ Situation“ als in Ordnung. In der Grundschule hatte ich nicht viele Freunde, war die Außenseiterin. Ich war ruhig, hatte nicht die tollsten Sachen an, sah etwas verlottert aus und obendrein habe ich, dank meinen Eltern, nach rauch gerochen. Natürlich perfekt für die Außenseiterrolle.

Meine Mutter war ein Messi und das war nicht die einzige psychische Krankheit sie sie hatte. Damals war das halt alles so. An Krankheit und Psychiatrische Behandlung hat leider niemand gedacht. Ich habe noch einige Geschwister, die allerdings alle älter sind und nicht die geballte „Psychokindheit“ abbekommen haben. Meine Mutter ist erst später abgerutscht da waren die meisten schon außer Haus. Und sie hatten sich gegenseitig – ich dagegen niemanden.

Bei uns Zuhause lag kein Unrat rum, außerdem gab es noch feste Wege zwischen dem Chaos die man begehen konnte. Aber rein lassen konnte man trotzdem niemanden. Viel schlimmer fand ich das meine Mutter sich ihrer Umgebung angepasst hat. Frau Flodder (aus der Serie die Flodders) ist da noch etwas ordentlicher mit sich umgegangen. Sie hat sich nicht gekümmert um ihr aussehen oder frische Klamotten – zumindest war das mein Gefühl. Ich schäme mich dafür, aber sie war mir peinlich. Die Zigarette im Mund hat das Bild noch perfekt gemacht. Und wer jetzt das von den Medien eingetrichterte Bild der heutigen Harzfamilien im Kopf hat – Falsch. Obwohl meine Mutter sicherlich nicht den besten Bildungsweg hatte – sie hatte bis zur Rente einen gut bezahlten Job – auch wenn der nicht anspruchsvoll war. Auch meine Vater arbeitete bis zur Rente, er hat sogar weniger verdient als meine Mutter. An dieser Stelle hebe ich das mit den Jobs mal hervor, denn später spielt das in meiner Problembelasteten Welt eine Rolle, zumindest glaub ich das.

Ich muss dazu sagen da meine Eltern mich natürlich spät bekommen haben, sind sie in Rente gegangen wo ich noch jung war – und damit auch nie alleine. Die Unordnung war das eine Problem und die „Erziehung“  bzw. die mangelnde Führsorge das andere. Meine Mutter war ständig am meckern. Sie hat dabei die schlimmsten Dinge zu gesagt. Sie sind so schlimm das ich sie hier nicht wiedergeben möchte. Teilweise hatte ich richtig Angst. Angst das sie das Essen vergiftet oder einfach durchdreht. Ich habe sogar versucht zu erkämpfen das endlich Wäsche gewaschen wird und zwar mit frischem Weichspüler. Die Sachen haben nach dem Waschen nicht frisch gerochen……eine meiner Macken heute. Hauptsache die Wäsche richt gut. Es ist unglaublich wie schnell ich Bettwäsche wechsele……

Hausaufgaben oder ähnliches haben meine Eltern nie mit mir gemacht. Auch sonst haben sie mich nie gefördert. Ich glaub das finde ich am schlimmsten. Leide sehr unter dem Gefühl zu dumm für diese Welt zu sein und bedauere so viel nicht zu können. Aber das an andere Stelle…..

Auch wenn ich jetzt soviel schlechtes über meine Mutter schreibe – ich hatte sie trotzdem lieb. Vieles war ja auch lieb, auch wenn ich das an beiden Händen abzählen kann. So hat sie mir zum Beispiel jede Laus einzeln aus dem Haar gesammelt, als die bei uns in der Schule rum gingen. Ich musste meine Haare nicht abschneiden, andere damals schon. Außerdem hat sie mir immer viele Zeitungen gekauft, teilweise mehr als ich wollte. Das war ihre Art zu zeigen, dass sie mich lieb hat. Denn in den Arm genommen hat sie mich nicht, ganz zu schweigen von netten Worten.  

Meine schulischen Leistungen in der Grundschule waren nicht schlecht aber eben auch nicht gut. Das änderte sich aber mit dem Wechsel in die 7te Klasse. Ich lernte ein Mädchen kennen und wir wurden beste Freundinnen. Es war eine gute Zeit. Wir waren fast immer zusammen und hatten Spaß. Haben unsere Hochs und Tiefs zusammen gemeistert und haben sogar beim Jugendtheater mitgemacht. Ich wäre so gerne Theaterschauspielerin geworden.....

Im Jugendtheater war es Ok, aber so richtig wohl habe ich mich nicht gefühlt. Ich sah auch damals schon die anderen. Diejenigen die das waren was ich sein wollte. Hübsch, Intelligent, selbstbewusst,  und voll von Energie. Und ich – einfach normal und frei vom Besonderen. Später war ich auch im Darstellenden Spiel. Ich sag mal so – dort habe ich mich gut gefühlt und die Hauptrollen bekommen und auch Anerkennung…..

Manchmal glaube ich heute, dass dieser zerbrochene Traum mit für meine Schwarze Welt verantwortlich ist. Schließlich wollte ich nicht nach Hollywood sondern auf die Theaterbühne. In eine andere Rolle schlupfen und sich immer wieder in Emotionen versetzen um der jeweiligen Rolle gerecht zu werden. Und wenn man es dann schafft einige Zuschauer zu verzaubern……ich finde das ist ein Traum…………………………..



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